Teamanalyse · Algerien

Algerien bei der WM 2026: Die Teamanalyse aus ÖFB-Sicht

Algerien im Detail: Petkovićs Block, Amouras Quali-Rekord, die Nigeria-Lehre vom Afrika-Cup – und warum Österreichs Profil dem Gegner wehtun kann.

Leo Brunnhofer·4. Juni 2026·8 min
Leo BrunnhoferFounder · baute BetTillDone 2016–2018 (119 Spieler:innen, 76 % Activation)Mit KI erstellt, redaktionell geprüft4. Juni 2026XGitHub

Algerien ist Österreichs dritter und letzter Gruppengegner — in der Nacht auf Sonntag, den 28. Juni um 04:00 Uhr MESZ, in Kansas City, parallel zu Jordanien gegen Argentinien. Wenn die Gruppe normal läuft, ist das das Endspiel um Platz zwei. Und es ist der Gegner, über den wir am meisten wissen — inklusive Live-Daten von dieser Woche.

Petković und die zweite Blüte

Algerien ist zum fünften Mal bei einer WM, zum ersten Mal seit 2014 — damals endete das Turnier erst im Achtelfinale nach Verlängerung gegen den späteren Weltmeister Deutschland. Der Mann der Gegenwart ist Vladimir Petković, jener Schweizer Trainer, der die Schweiz bei der EM 2020 ins Viertelfinale führte (inklusive des legendären Achtelfinal-Siegs über Frankreich).

Die CAF-Qualifikation dominierte Algerien als Sieger der Gruppe G mit nur einer Niederlage in zehn Spielen, fix qualifiziert seit Oktober 2025. Die Bilanz seither liest sich wie eine Versicherungspolice: sechs Zu-null in den letzten acht Länderspielen.

Der Rotterdam-Beweis: Der Block hält auch gegen Pressing

Am 3. Juni lieferte Algerien den besten verfügbaren Beweis seiner Turniertauglichkeit: ein 1:0-Auswärtssieg gegen die Niederlande, die unter Koeman ähnlich pressen wie Österreich unter Rangnick. Der Block hielt 90 Minuten trotz 2,2 xG gegen sich, das Tor erzielte der eingewechselte Anis Hadj Moussa in der 86. Minute — aus 0,02 xG. Die komplette Spielanalyse haben wir am Spieltag aufgeschrieben.

Die Lehren in Kurzform: Algerien verteidigt tief und diszipliniert, braucht fast nichts für ein Tor, bleibt bis zur 90. Minute gefährlich — und die Gefahr kommt längst nicht mehr nur von Mahrez.

System: flexibler Block, schnelles Umschalten

Petković lässt je nach Gegner ein 4-2-3-1 oder 4-3-3 spielen. Gegen schwächere Teams presst Algerien durchaus hoch; gegen starke Gegner fällt das Team in einen tiefen Block und lauert auf Umschaltmomente. Die linke Seite ist die Lebensader: Man-City-Verteidiger Rayan Aït-Nouri schiebt hoch, dahinter sichert Ex-Dortmund-Mann Ramy Bensebaini. Im Mittelfeld fehlt Ismaël Bennacer laut Medienberichten im Kader — Nabil Bentaleb, Ramiz Zerrouki und Hicham Boudaoui teilen sich die Arbeit, Eintracht-Frankfurt-Mann Fares Chaibi und Leverkusens Ibrahim Maza verbinden die Linien.

Vorne ist die Hierarchie neu sortiert. Mohamed Amoura ist der Mann der Stunde: Der Wolfsburg-Stürmer war mit zehn Toren bester Schütze der gesamten afrikanischen WM-Qualifikation — Tiefenläufe, brutale Geschwindigkeit, kaltschnäuziger Abschluss. Marseille-Stürmer Amine Gouiri ist zurück von einer Schulterverletzung. Riyad Mahrez (35, Al Ahli) trägt die Binde: kein Alleinträger mehr, aber bei Standards und im einen entscheidenden Moment weiter Weltklasse. Und von der Bank kommt Feyenoord-Flügel Hadj Moussa, der Rotterdam-Held.

Die dokumentierte Schwäche: Tempo hinter die Kette

Beim Afrika-Cup in Marokko endete Algeriens Turnier im Jänner im Viertelfinale — 0:2 gegen Nigeria. Das Spiel ist die Anti-Blaupause zum Rotterdam-Abend: Nigeria war schneller, intensiver, zweikampfstärker, ließ Algerien laut Spielberichten kaum eine Torchance und bestrafte den Block mit Tempo und direkten Läufen (Osimhen traf direkt nach der Pause). Schnelle, vertikal spielende Teams sind das eine Profil, das Algerien zuverlässig wehtut.

Österreich ist genau so ein Team. Der Unterschied zur Niederlande-Pleite der Algerier... gibt es nicht — die Niederlande haben ihre 2,2 xG nicht verwertet. Nigeria hat es getan.

Was das für Österreich heißt

1. Es wird ein Umschaltspiel. Beide Teams pressen, beide wollen schnell nach vorne. Lange Ballbesitzphasen wird es kaum geben — es geht um zweite Bälle, Anschlussaktionen und die Frage, wer aus Chaos schneller Struktur macht.

2. Verwerten, nicht nur erspielen. Rotterdam war die Warnung: 2,2 xG reichen gegen diesen Block nicht, wenn sie nicht im Tor landen. Nigeria war die Anleitung: Tempo hinter die Kette, direkte Läufe, Intensität in den Zweikämpfen.

3. Konzentration bis zur 90. Minute — um 4 Uhr früh. Algerien hat in Rotterdam in Minute 86 zugeschlagen, durch einen Joker. Im wahrscheinlichsten Szenario entscheidet dieses Spiel über Platz zwei — und es läuft parallel zu Jordanien gegen Argentinien. Ein Auge auf das andere Stadion gehört zur Taktik.

Ein letztes Detail für die Geschichte: Das einzige bisherige Pflichtduell war bei der WM 1982 — Österreich gewann 2:0. Petković hat übrigens schon vor dem Rotterdam-Spiel betont, dass ihn das ständige Reden über Argentinien stört: Die Spiele gegen Österreich und Jordanien seien keineswegs so einfach, wie viele glauben. Er nimmt Österreich ernst. Das sollte auf Gegenseitigkeit beruhen.

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Wann spielt Österreich gegen Algerien?

In der Nacht auf Sonntag, 28. Juni 2026, 04:00 Uhr MESZ — Arrowhead Stadium, Kansas City (Anpfiff 27. Juni, 21:00 Ortszeit), parallel zu Jordanien vs. Argentinien.

Welches System spielt Algerien unter Petković?

Flexibel zwischen 4-2-3-1 und 4-3-3: gegen starke Gegner ein tiefer, disziplinierter Block mit schnellem Umschalten. Sechs Zu-null in den letzten acht Länderspielen.

Wer ist Algeriens gefährlichster Spieler?

Mohamed Amoura (VfL Wolfsburg) — zehn Treffer in der CAF-Qualifikation, Bestwert aller afrikanischen Teams. Dazu Mahrez bei Standards und Joker wie Hadj Moussa, der gegen die Niederlande traf.

Was ist Algeriens Schwäche?

Schnelle, vertikal spielende Teams: Beim Afrika-Cup im Jänner 2026 schied Algerien im Viertelfinale mit 0:2 gegen Nigeria aus, das den Block mit Tempo und direkten Läufen knackte.

Quellen

Stand: 4. Juni 2026

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